Noch bis vor 100 Jahren bestellte jeder Bauer sein Feld, indem er die Samen einer Nutzpflanze zur Aussaat brachte und bis zur Ernte wartete. Nach der Ernte bewahrte er einen Teil der Samen aus den geernteten Pflanzen auf um sie für die nächste Ernte auszusäen. Dieser Kreislauf (Nachbau) wiederholte sich seit den letzten 12.000 Jahren als Menschen erstmals in Alt-Ägypten begannen Nutzpflanzen gezielt anzubauen. Im Jahre 1909 wurde dieser Kreislauf unterbrochen als Forscher bei Versuchen mit Mais feststellten, dass die Nachkommen einer gezielten Kreuzung zwischen genetisch unterschiedlichen Pflanzen in der Regel grösser, wüchsiger und ertragreicher waren, und dass die von diesen Sorten gebildeten Samen im Nachbau genetisch instabil waren und nicht als Saatgut verwendet werden konnten, sondern die Kreuzung musste für das Saatgut immer wieder neu durchgeführt werden. Es entstanden die ersten gentechnisch veränderten Pflanzen, so genannte Hybride. Dem amerikanischen Genetiker G.H. Shull kam 1914 die Idee diesen Effekt der Kreuzung für die kommerzielle Nutzung einzusetzen. Zusammen mit dem Genetiker Jones, der diese Idee verfeinerte und Doppelhybride erzeugte, setzte sich die Idee endgültig in die Tat um, so dass bereits im Jahre 1944 mehr als 80% der Anbaufläche in den USA mit Hybridmais bestellt war. Hybridsorten sind bei praktisch allen Kulturpflanzen auf dem Vormarsch und es werden enorme Mittel eingesetzt um die Entwicklung in diese Richtung zu beschleunigen. Zu Mais gibt es in Europa zu 96% keine Alternative mehr zu Hybridsorten. Bei vielen Gemüsesorten wird in ein paar Jahren ein ähnliches Niveau erreicht werden, doch schon heute gibt es einige Gemüsesorten, die nicht mehr zur Samenbildung fähig sind. Gentechnik hat aber auch ihre Vorteile: - wesentlich höhere Erträge, so hat sich in den USA die Maisproduktion auf gleicher Anbaufläche verfünftfacht; - Pflanzensorten haben die gleiche Größe d.h. erst durch die Einheitlichkeit der Pflanzen wurde die Großmechanisierung der Landwirtschaft und der Folgeindustrie überhaupt ermöglicht, - ein schneller Zuchtfortschritt d.h. es lassen sich die Gene für gezielte Ertragslinien schneller verändern (gewünschte oder ungewünschte Merkmale) um z.B. die Pflanze vor bestimmten Befall oder Krankheit zu schützen, - und ein wichtiger Vorteil für den Züchter ist der durch den ausgeschlossenen Nachbau eingebaute “Sortenschutz”, der dem Züchter den regelmäßigen Gewinn sichert, denn die Samen müssen beim Züchter immer wieder nachgekauft werden, was in die gleiche Richtung führt wie die Patentierung von Lebewesen. Wie bei allem gibt es auch hier einige Nachteile: - Erosion der inneren Qualität d.h. die veränderten Pflanzen haben nicht mehr dieselbe Ernährungsqualität oder einfach gesagt, sie schmecken nicht mehr so gut, - Abhängigkeit der Bauern von der Saatgutindustrie. Saatgut könnte nur noch mit Auflagen oder Abnahmeverträgen erhältlich sein, - aufgrund der Inzuchtlinien dieser Pflanzen entsteht eine genetische Verarmung und damit eine höhere Anfälligkeit und Verminderung ihrer Abwehrfähigkeiten, was die Folge haben wird immer mehr Pestizide einsetzen zu müssen. Da Pflanzen keine statischen Gebilde sind, die nach Belieben formbar sind, sondern eine sich den Umweltbedingungen ständig anpassende und damit verändernde Lebensform sind, wäre nicht ausgeschlossen, dass sich solche Pflanzen derart verändern könnten und für den menschlichen Verzehr ungenießbar werden, - gentechnisch veränderte Pflanzen wären auch als international politisches Druckmittel denkbar gemäß dem Motto: Nahrung anbauen darf nur, wer politisch behagt. Das intern erklärte Ziel der Genlabors weltweit ist die Veränderung und damit Patentierung aller Nutz- und Zierpflanzen, und die langfristigen Pläne sind noch viel weiter gesteckt. Dabei fällt auf, dass besonders an den wichtigen Grundnahrungsmitteln wie Getreide, Hirse, Mais, Reis, Soja und Sorghum intensiv geforscht wird. Oft wird der Einsatz von Gentechnik in Lebensmitteln damit begründet, dass die Hungersnot in Entwicklungsländern gemildert oder sogar verhindert werden könnte. Da bei gentechnisch veränderten Pflanzen das Saatgut jedes Jahr zugekauft werden muss, sind die meisten der betroffenen Länder kaum in der Lage die finanziellen Mittel für diese regelmäßige Investition aufzubringen, zumal für eine erfolgreiche Ernte zusätzlich der richtige Dünger und Ergänzungsmittel dazugekauft werden müssen. Ebenso wird als Grund genannt, dass bei gentechnisch veränderten Pflanzen weniger Pflanzenschutzmittel benötigt werden. Dies ist nur zum Teil richtig. Gentechnisch veränderte Pflanzen können gegen bestimmte Erkrankungen oder Befall immun gemacht werden, dafür werden sie für andere Krankheiten und Einflüsse um ein Vielfaches anfälliger. Darüber hinaus besteht weltweit eine Überproduktion an Lebensmitteln, so dass jedes Jahr Millionenbeträge ausgegeben werden um verwertbare Lebensmittel zu vernichten, nur mit dem einen Ziel den Marktpreis zu beeinflussen. Von wirtschaftspolitischen Interessen abgesehen könnte eine entsprechende Verteilung der Lebensmittel für jeden eine ausreichende Versorgung gewährleisten. “Saatgut ist mehr als ein reines Produktionsmittel. Es ist ein unveräusserbares Kulturgut. Die Gesundheit der Menschen ist untrennbar mit der Gesundheit unserer Ökosystemen verbunden. Wir müssen das ökologische Gleichgewicht erhalten und die gemeinsame Umwelt schützen und fördern, sowohl zwischen Menschen, wie auch zwischen Menschen und anderen Lebewesen. Landwirtschaft sollte achtsam und verantwortungsvoll vorgehen um Gesundheit und Wohlbefinden der Generationen und der Umwelt zu schützen”, so lautete noch vor wenigen Jahren die Devise zahlreicher Naturschutzorganisationen, doch heute sind wir einen Schritt weiter. Durch Hybridzüchtung und Patentierung wurde ein Kulturgut zu Privateigentum und damit ein Rechts- und Wirtschaftsgut mit enormen Machtfaktor. Wie groß der Einfluss der Wirtschaft auf die Politik ist zeigt allein die Tatsache, dass der gewerbliche Nachbau von pflanzlicher Nahrung nicht nur in Deutschland gesetzlich verboten ist d.h. Bauern dürfen Saatgut nicht aus Nachbau verwenden, sondern müssen Hybridsorten von Saatgutherstellern erwerben um die Ernte verkaufen zu können. Aufgrund dessen sind z.B. einige wohlschmeckende “natürliche” Kartoffelsorten gänzlich vom Markt verschwunden. Gentechnik dient weniger dem Verbraucherschutz als dem Unternehmensschutz. Was das Patentamt in München für die üblichen Wirtschaftsgüter ist, ist das Bundessortenamt in Hannover für gentechnisch veränderte Pflanzen. Hier melden Züchter ihre manipulierten Pflanzensorten an und erhalten eine bis 30 Jahre laufende Lizenz für die Vermarktung. Eigentlich liegen alle Patentrechte bei jemanden, der uns diese Rechte unentgeltlich zur Verfügung gestellt hat; alles andere sind nur Plagiate. Die Komplexität dieses Ökosystems kann man vielleicht daran erkennen, dass wir begonnen haben es zu verändern, aber wir könnten es nicht wieder in den ursprünglichen Zustand versetzen. Wir sind heute zwar technisch in der Lage Gene zu verändern, aber nicht zu regulieren. Das wäre genauso als ob man einen Lkw zum rollen bringt, dann aber nicht ins Führerhaus gelangen kann um lenken zu können. So musste in Australien ein Feldversuch mit genmanipulierten Pflanzen nach zehn Jahren abrupt abgebrochen werden nachdem zufällig festgestellt worden war, dass die betreffenden Pflanzen einen kritischen Entwicklungsverlauf nahmen. Lebensmittel sind weder eine Erfindung des Menschen, noch sind sie ein Rechtsgut. Lebensmittel sind die Grundlage unserer körperlichen Existenz. Seit Jahrtausenden hat sich unser Organismus auf bestimmte Zusammensetzungen in pflanzlicher und tierischer Nahrung eingestellt, was zu einem Gleichgewicht zwischen unserer Nahrung und unserem Körper geführt hat, das uns optimale Voraussetzungen zum Leben ermöglicht. Wir können unsere Nahrung nicht verbessern. Offensichtlich sind wir Menschen geistig noch nicht so weit entwickelt um gewisse Zusammenhänge und die Folgen unseres Handelns im voraus überblicken zu können, sondern wir müssen die Folgen unmittelbar am Körper spüren um reagieren zu können. Dabei ist die Gentechnologie ein weitaus gefährlicherer Bereich als die Atomtechnologie.